Gefahrgut auf der Straße

ADR Straßentransport-Leitfaden

ADR regelt den internationalen Straßentransport gefährlicher Güter in mehr als 50 Ländern. Fehler sind nicht nur bußgeldbewehrt — sie begründen strafrechtliche Haftung für Fahrer, Betreiber und Versender.

ADR-Gefahrklassen

9 Klassen

Freistellungsschwelle

1.000 Punkte

Fahrerbescheinigung

Pflichtdokument

Erfasste Länder

50+ Unterzeichnerstaaten

ADR-Klassenreferenz

Gefahrklasse auswählen, um Gefahrzettel, Anforderungen und wesentliche Einschränkungen anzuzeigen

3

Flammable

Examples

Kraftstoff, Farbe, Lösungsmittel, Alkohole

Verpackungsgruppen

I, II oder III

Tunnelbeschränkung

B, C, D oder E je nach Menge

Wesentliche Anforderung

Zündquellen im Fahrzeug verboten

33
1203

Orange panel example (tank vehicle): Kemler code top / UN number bottom. Packaged goods use plain orange panels.

ADR-Compliance-Leitfaden

ADR-Compliance für den Straßentransport gefährlicher Güter — Schritt für Schritt

ADR-Compliance ist eine gemeinsame Verantwortung von Versender, Beförderer und Fahrer. Jeder trägt gesetzlich definierte Pflichten. Befolgen Sie diese Abfolge, um sicherzustellen, dass jede Sendung vollständig compliant ist, bevor der LKW abfährt.

Step 1

Güter klassifizieren und UN-Nummer ermitteln

Jedem Gefahrgut muss eine UN-Nummer zugewiesen werden — ein 4-stelliger Code zur Identifizierung des jeweiligen Stoffs oder Gegenstands — sowie eine ADR-Gefahrklasse (1 bis 9). Die Klassifizierung liegt in der Verantwortung des Versenders, nicht des Beförderers. Verwenden Sie das ADR-Gefahrgutverzeichnis (Kapitel 3.2), um den Stoff nachzuschlagen: Es enthält UN-Nummer, Klasse, Verpackungsgruppe (I = hohe Gefahr, II = mittel, III = gering), erforderliche Gefahrzettel, Sondervorschriften sowie Zulassungen für begrenzte und freigestellte Mengen. Bei Gemischen und Zubereitungen, die nicht einzeln aufgeführt sind, muss die Klassifizierung von einer qualifizierten Person anhand der Kriterien aus Kapitel 2 vorgenommen werden. Im Zweifelsfall einen DGSA (Dangerous Goods Safety Adviser) hinzuziehen — eine fehlerhafte Klassifizierung gehört zu den häufigsten ADR-Verstößen.

Step 2

Zugelassene Verpackung auswählen und Packstücke korrekt kennzeichnen

ADR schreibt für jede Klasse und Verpackungsgruppe spezifische Verpackungsstandards vor. Die Verpackung muss ein UN-Zulassungszeichen tragen, das belegt, dass sie nach dem geforderten Standard geprüft wurde — achten Sie auf das kreisförmige UN-Symbol sowie Codes, die Verpackungstyp, Leistungsstufe und maximale Bruttomasse angeben. Gefahrzettel: Jedes Packstück muss den primären Gefahrzettel für seine Klasse tragen sowie zusätzliche Gefahrzettel für Nebengefahren, sofern zutreffend. Orientierungszeichen (HIER OBEN) sind für Flüssigkeiten in Verpackungen mit mehr als 120 ml vorgeschrieben. Kennzeichnung auf dem Packstück: UN-Nummer mit dem Präfix „UN", ordnungsgemäße Versandbezeichnung sowie Name und Anschrift des Absenders. Für Sendungen in begrenzter Menge gelten vereinfachte Vorschriften, jedoch müssen die Packstücke weiterhin die LQ-Kennzeichnung tragen.

Step 3

Transportdokument und etwaige Sonderbescheinigungen ausfertigen

Das ADR-Transportdokument (DGD — Dangerous Goods Declaration) muss jeder ADR-Sendung beiliegen. Pflichtangaben: UN-Nummer im Format „UN XXXX", ordnungsgemäße Versandbezeichnung, Klasse, Verpackungsgruppe, Gesamtmenge sowie die Versendererklärung: „Ich erkläre hiermit, dass der Inhalt dieser Sendung vollständig und korrekt durch die ordnungsgemäße Versandbezeichnung beschrieben und klassifiziert, verpackt, markiert und mit Gefahrzetteln versehen ist sowie in jeder Hinsicht den geltenden internationalen und nationalen behördlichen Vorschriften für die Beförderung entspricht." Für Explosivstoffe (Class 1): eine zusätzliche Transportgenehmigung kann erforderlich sein. Für radioaktive Stoffe (Class 7): eine Genehmigung der zuständigen Behörde. Für bestimmte Güter der Class 1 und Class 7: vorherige Benachrichtigung des Beförderers.

Step 4

Fahrzeugausrüstungsanforderungen prüfen

Jedes ADR-Fahrzeug — unabhängig von der Beladungsmenge — muss eine Standardausrüstung mitführen: mindestens einen tragbaren Feuerlöscher mit 2 kg Trockenpulver (oder gleichwertig) für die Fahrerkabine sowie einen oder zwei größere Löscher, die für die Ladungsart geeignet sind; Unterlegkeile; tragbare Warnleuchten oder Fluoreszenzleitkegel; eine Warnweste für jedes Besatzungsmitglied; eine Augenspülflasche; eine Gesichtsschutzmaske oder Schutzbrille; Schutzhandschuhe; eine Schaufel (für feste Stoffe); ein Kanalabdeckung; sowie ein Auffangbehälter. Für bestimmte Güter kann zusätzliche Schutzausrüstung erforderlich sein (vollständiger Chemikalienschutzanzug, Atemschutzgerät). Die Sondervorschriften für die jeweilige UN-Nummer sind zu prüfen. Der Fahrer muss die gesamte Ausrüstung mitführen und in deren Verwendung eingewiesen sein.

Step 5

Fahrzeug mit Orangetafeln und Gefahrzetteln kennzeichnen

ADR-Fahrzeuge müssen folgendes anbringen: orangefarbene rechteckige Tafeln (400 × 300 mm) an der Vorder- und Rückseite des Fahrzeugs. Bei Tankfahrzeugen oder Fahrzeugen, die eine einzelne UN-Nummer in loser Schüttung befördern, müssen die Orangetafeln zusätzlich die Kemler-Zahl (obere Hälfte, Gefahrnummer) und die UN-Nummer (untere Hälfte) zeigen. Bei verpackten Gütern mit mehreren UN-Nummern genügen einfache Orangetafeln vorne und hinten. Gefahrzettel (rautenförmig, 250 mm × 250 mm) müssen an beiden Seiten und der Rückseite des Fahrzeugs oder Tanks angebracht werden. Bei gemischten Ladungen sind alle zutreffenden Gefahrzettel anzubringen. Die Zettel müssen gut sichtbar und nicht durch Ladung oder Zurrmittel verdeckt sein.

Step 6

ADR-Fahrerschein prüfen und Fahrer über Notfallmaßnahmen unterweisen

Der Fahrzeugführer muss eine gültige ADR-Fahrerschulungsbescheinigung besitzen, die für die zu befördernden Güter zugelassen ist. Es gibt zwei Kategorien: Grundbescheinigung (Class 1 und 7 ausgenommen) sowie Zusatzbescheinigungen für Explosivstoffe und radioaktive Stoffe. Bescheinigungen sind 5 Jahre gültig und müssen vor Ablauf durch einen Auffrischungskurs erneuert werden. Weisen Sie den Fahrer vor der Abfahrt ein: über die konkret zu befördernden Güter, über die im Notfall zu ergreifenden Maßnahmen (wie in den Schriftlichen Weisungen beschrieben) sowie über die Route. Die Schriftlichen Weisungen (Notfallmaßnahmenkarten) für jede UN-Nummer der Ladung müssen in der Fahrerkabine vorhanden sein — in den Sprachen, die der Fahrer versteht, sowie in den Sprachen aller Länder auf der Route. Diese Dokumente sind im Notfall die primäre Referenz des Fahrers.

ADR-Vorschriften

ADR-Kernvorschriften auf einen Blick

Basierend auf ADR 2025 (Europäisches Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße). Zweijährlich aktualisiert. Aktuelle Ausgabe für den jeweiligen Transport prüfen.

ADR-Klassen

9

Gefahrkategorien Class 1–9

Freistellungsschwelle

1.000 Punkte

Freistellung für begrenzte Mengen

Fahrerschein

5 Jahre Gültigkeit

Erneuerung vor Ablauf erforderlich

Orangetafeln

Vorne + hinten

Pflichtanforderung für alle ADR-Fahrzeuge

Die 1.000-Punkte-Freistellung

Vereinfachte Vorschriften unterhalb der Schwelle

ADR Kapitel 1.1.3.6 erlaubt vereinfachte Transportvorschriften, wenn die Gesamtmenge gefährlicher Güter auf einem einzelnen Fahrzeug unter einer berechneten Schwelle von 1.000 Punkten liegt. Jede UN-Nummer trägt Punkte bei, berechnet als: Menge (kg oder Liter) geteilt durch einen Multiplikator basierend auf der Verpackungsgruppe (PG I = 50, PG II = 333, PG III = 1.000). Liegt die Summe aller Gefahrgüter unter 1.000 Punkten, ist das Fahrzeug freigestellt von: Orangetafel-Anforderungen, bestimmten Fahrzeugausrüstungsanforderungen und der ADR-Fahrerbescheinigung. Grundlegende Anforderungen an Kennzeichnung, Verpackung und Transportdokument bleiben weiterhin gültig. Hinweis: Güter der Class 1, 2, 5.2, 6.2 und 7 unterliegen eigenen Vorschriften und können von dieser Freistellung ausgenommen sein.

Tunnelbeschränkungscodes

A bis E — je Route prüfen

ADR weist jedem Gefahrgut einen Tunnelbeschränkungscode (A, B, C, D oder E) zu. Code A = keine Einschränkung; E = vollständig verboten in Tunneln. Jeder europäische Tunnelbetreiber veröffentlicht die von ihm angewandte Tunnelkategorie — vor der Routenführung durch Gebirgstunnel (Gotthard, Mont Blanc, Kanaltunnel usw.) prüfen. Der Kanaltunnel unterliegt eigenen Eurotunnel-DG-Vorschriften, die von den Standard-ADR-Tunnelcodes abweichen. Das Versäumnis, Tunnelbeschränkungen zu prüfen, ist ein häufiger Verstoß — routenplanende Software ohne ADR-Bewusstsein weist nicht automatisch auf diese Einschränkungen hin.

DGSA — Dangerous Goods Safety Adviser

Pflichtanforderung für regelmäßige ADR-Operationen

Jedes Unternehmen, das gefährliche Güter für den Transport befördert, belädt, entlädt oder verpackt (mit bestimmten Ausnahmen), muss einen qualifizierten DGSA bestellen. Der DGSA überwacht die ADR-Compliance, untersucht Vorfälle, erstellt Jahresberichte und berät die Unternehmensleitung. DGSAs besitzen eine Schulungsbescheinigung mit 5-jähriger Gültigkeit, die durch Prüfung erneuert wird. Der DGSA haftet nicht persönlich für ADR-Verstöße — diese Haftung verbleibt beim Unternehmen — muss jedoch sicherstellen, dass das Unternehmen über angemessene Verfahren verfügt. Die Bestellung eines externen DGSA ist für Unternehmen zulässig, bei denen das Volumen der Gefahrgutbewegungen keine Vollzeitstelle rechtfertigt.

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